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Die Burg Stavenhagen im Jahr 1610. Nach den großherzoglichen Inventaren gezeichnet von Regierungsbaumeister Adolf Friedrich Lorenz, 1941. Mit freundlicher Genehmigung des Landeshauptarchivs Schwerin.

750 Jahre Stavenhagen
Die erste urkundliche Erwähnung fand Stavenhagen am 15. Mai 1252, als Remberno miles de Stouen, Ritter Reinbern von Stove, Bewohner der Burg in Stavenhagen (in anderen Urkunden auch Stouenhagen, Stovenhaghen oder Stophenhagen genannt), das Kloster Ivenack stiftete und bewidmete. Die Burg Stavenhagen, als wehrhafte Siedlung von mehreren vornehmlich als Fachwerk gemauerten Häusern Ende des 12. oder Anfang des 13. Jahrhunderts gebaut, war viele Jahrhunderte hindurch der Wohn- und Amtssitz der Vögte, die im Auftrag der herrschenden pommerschen Herzögen das Amtsgebiet Stavenhagen verwalteten.

Unmittelbar am Tag nach dem großen Feuer begann Pastor Rümker das neue Kirchenbuch, „weil leider alle Nachricht von vorigen Jahren in der, die Nacht vorher, entstandenen jämmerlichen und grausahmen Feuersbrunst verlohren gangen. Gott bewahre ferner in Gnade vor solchem Unglück.“

Der neben der Burg angelegte Ort war eine Neugründung der deutschen Einwanderer im Rahmen der Besiedelung des ehemals slawisch, hier vom Stamme der Tollenser, bewohnten Gebietes. Die Region befand sich in der Mitte des 13. Jahrhunderts unter der Herrschaft des Herzogs Wartislaw III. von Pommern-Demmin, der eine Reihe von Stadtgründungen veranlasst und die entsprechenden Rechte verliehen hatte. Im Falle von Stavenhagen tat er dies, so die Urkunde von 1282 zur Bestätigung der Stadtrechte, gemeinsam mit seinem Vetter Barnim I. von Pommern. Da Wartislaw am 17. Mai 1264 gestorben war, musste die Gründung der Stadt vorher erfolgt sein. Eine eigentliche Gründungsurkunde ist nicht nachweisbar.

Nach mehrfachem, nur unvollständig belegtem Herrschaftswechsel gelangte das ursprünglich pommersche Stavenhagen 1437 endgültig in mecklenburgischen Besitz.

Anfang Juli 1537 weilte Herzog Heinrich V. auf der Burg Stavenhagen und lud von hier aus den Braunschweiger Prediger Riebling ein, als erster Superintendent in Mecklenburg zu wirken. So kann die Stadt mit Recht von sich sagen, dass der wesentliche Impuls zur Reformation in Mecklenburg von hier ausging.

Die vielfältigen Feindseligkeiten zwischen den einzelnen Fürstenhäusern hörten nicht auf. Immer wieder kamen mit den Kriegszügen Leid, Armut und Krankheiten über die Bevölkerung.

Zudem wüteten mehrfach Feuersbrünste, besonders furchtbar im Jahr 1727, als nur noch 11 Häuser stehen geblieben waren.

Nachdem die Burg besonders durch den 30-jährigen Krieg und den dann folgenden 2. Nordischen Krieg (1655-1661) immer mehr verfallen war, errichtete man um 1740 auf den Fundamenten eines 1606 im Auftrag von Herzog Carl I. von Mecklenburg-Güstrow erbauten zweistöckigen Hauptgebäudes mit massivem Keller das heutige Schloss, das zum Ende des 19. Jahrhunderts noch um einen runden Turm ergänzt wurde.

Stavenhagen mit dem Schloss, kolorierter Stahlstich um 1850
Das Rathaus, gezeichnet 1880

Der Siebenjährige Krieg 1756 bis 1763 bedrückte die Stadt erneut, ebenso brachte die Franzosenzeit 1806 bis 1813 große Not über die Stavenhagener.

Seit 1755 besaß Stavenhagen ein durch den Landesherrn bestätigtes „Stadt-Reglement“. 1781 konnte die Stadt die Amtssässigkeit ablegen und erhielt ihre eigene Gerichtsbarkeit. Um 1785 wurde das Rathaus gebaut.

Die evangelische Kirche Stavenhagen

Am Ende des 18. Jahrhunderts vergrößerte sich die Stadt über die Wallanlagen und die einfachen Stadttore hinaus. Die baufällig gewordene Kirche aus Fachwerk wurde abgerissen,  und an derselben Stelle entstand von 1774 bis nach 1790 eine neue Kirche.

Siegel der Israelitischen Gemeinde Stavenhagen

Um 1800 wurde von der jüdischen Gemeinde die Synagoge errichtet, die, in der Pogromnacht 1938 geschändet, später als Tischlerei genutzt wurde. Bürgerschaftlichem Engagement ist zu danken, dass die Synagoge seit dem Jahr 2013 restauriert wird.

Amtshauptmann Weber, Ölgemälde, im Fritz-Reuter-Literaturmuseum

Nach dem vom Schweriner Herzog eingesetzten kultivierten und weltgewandten Beamten Joachim von der Lühe, der aus Gotha nach Mecklenburg gekommen war, dessen Ehefrau Caroline bereits als in Deutschland anerkannte Komponistin und Dichterin in Erscheinung getreten war, übte von 1784 bis 1826 der Amtshauptmann Johann Joachim Heinrich Weber die Aufsicht über das Amt Stavenhagen aus. Ein besonders liebenswürdiges Porträt zeichnete Fritz Reuter vom Amtshauptmann, seinem Paten, in der Erzählung „Ut de Franzosentid“

Bürgermeister Reuter, Zeichnung von Fritz Reuter, 1845

1808 bezog Georg Johann Reuter als Bürgermeister die Dienstwohnung im Rathaus. Mit Kreativität, Fleiß und Durchsetzungsvermögen erwarb er sich in den 37 Amtsjahren bis zu seinem Tod am 22. März 1845 um die Entwicklung der Stadt große Verdienste. Neben der Arbeit als Bürgermeister und Stadtrichter betrieb er überaus erfolgreich eine eigene Landwirtschaft.

Fritz Reuter, Ölgemälde von Theodor Schloepke, 1866

Seiner und seiner Familie wie auch des Amtshauptmanns Weber und des Landreiters Fritz Sahlmann gedenkt die Stadt mit den „Reutergräbern“ auf dem Stavenhagener Friedhof.

Fritz Reuter, der Sohn des Bürgermeisters, wurde am 7. November 1810 im Rathaus geboren.

In Stavenhagen verlebte er seine Kindheit und Jugendzeit. Er begann, dem Willen des Vaters nachkommend, lustlos ein Studium der Rechte in Rostock, das er in Jena fortzusetzen versuchte. Die Verhaftung wegen seiner Zugehörigkeit zu den Deutschen Burschenschaften, die Verurteilung zum Tode, die „Begnadigung“  zu 30 Jahren, schließlich die Verbüßung von 7 Jahren Festungshaft machten ihn zu einem kranken Mann.

Fritz und Louise Reuter in Neubrandenburg, zeitgenössisches Foto

Erst 1851, als er die Pfarrerstochter Luise Kuntze heiratete, nahm er bewußt sein Schicksal in die eigenen Hände. Er ließ sich in Treptow an der Tollense, dem heutigen Altentreptow als Privatlehrer nieder und widmete sich in der Freizeit der Schriftstellerei. Seine dichterische Begabung konzentrierte er auf die niederdeutsche Sprache; der erste Band „Läuschen un Rimels“ erschien 1853 im Selbstverlag und wurde ein großer Erfolg.

Inspektor Bräsig, die berühmteste literarische Figur aus Reuters Werken, hier in einer Illustration von Fritz Koch-Gotha, 1948

Die heiteren Gedichte sollten jedoch nur der Anfang eines bedeutenden literarischen Werkes sein, das in den Prosawerken „Ut de Franzosentid“, „Ut mine Festungstid“ und besonders in dem dreiteiligen Roman „Ut mine Stromtid“ (Aus meiner Landmannszeit) seinen künstlerischen Gipfel erreichte. 1856 zog er in die Vorderstadt Neubrandenburg. 1863 siedelte das Ehepaar aus dem rückständigen Mecklenburg nach Eisenach über und bezog 1868 die Villa, die Reuter am Fuße der Wartburg hatten bauen lassen.

Fritz Reuter starb am 12. Juli 1874. Sein Ruhm ging weit über Deutschlands Grenzen hinaus, und der Name seiner Vaterstadt war fortan unter den literarischen Orten der Welt verzeichnet.

Die Reutereiche heute

Bereits 1873 würdigte der Magistrat den großen Sohn mit einer Gedenktafel am Rathaus. Deutschlandweit sind Straßen, Plätze oder Schulen nach ihm benannt; die Stavenhagener „Reutereiche“, die Reuter einst zu Ehren seiner Eltern gepflanzt hatte, steht noch heute und gibt einem Gewerbegebiet den Namen.

Das Reuterdenkmal vor dem heutigen Fritz-Reuter-Literaturmuseum

Dem Werk und dem Leben Reuters, der niederdeutschen Sprache und Literatur widmet sich das Fritz-Reuter-Literaturmuseum, das in seinem Geburtshaus eingerichtet und stetig erweitert wurde. Es wird heute zu den schönsten Literaturmuseen in Deutschland gezählt.

Der Bahnhof von Stavenhagen, Postkarte um 1910

Im Jahr 1864 wurde die Eisenbahnstrecke der Friedrich-Franz-Bahn von Güstrow nach Neubrandenburg eröffnet, und Stavenhagen erhielt den - allerdings recht weit vom Stadtzentrum entfernten - Bahnhof.

Carl Beholtz, der Gründer des „Mecklenburgischen Wochenblatts“

1873 siedelte sich der Verleger Carl Beholtz an, der neben vielfältiger Verlagstätigkeit für Stavenhagen eine Zeitung, das „Mecklenburgische Wochenblatt“, etablierte.

Auf dem Gebiet der früheren Zuckerfabrik steht heute der große Betrieb „Pfanni“

Eine späte Gründerzeit brachte der Stadt bedeutenden wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung, der besonders der klugen Führung des Bürgermeisters Dr. Fritz Schultetus zu verdanken war. In seiner Amtszeit von 1879 bis zu seinem Tode 1905 entwickelte sich die Stadt enorm, und von dem allgemeinen Fortschritt und der prosperierenden städtischen Wirtschaft profitierten viele Bürger.

Ernst Lübbert, Soldat im Ersten Weltkrieg

Ab 1886 besuchte Ernst Lübbert, der Sohn des Amtsprotokollisten, die Stavenhagener Schule, lernte später in Neubrandenburg und studierte dann in Berlin Malerei und Grafik. Der begabte und äußerst produktive Künstler, der sich besonders der Porträt- und Genremalerei zugewandt hatte, starb 1915 als Soldat im zweiten Weltkrieg.

Er wurde 36 Jahre alt.

Seit 2006 beherbergt das Fritz-Reuter-Literaturmuseum die ständige Ausstellung „Ernst Lübbert – Leben und Werk“.

Die feierliche Enthüllung des Reuterdenkmals durch den Großherzog am 12. Juli 1911

Im Jahr 1910 wurde das lange geplante neue Schulhaus eingeweiht, 1911 mit einem dreitägigen Fest das Reuterdenkmal enthüllt.

Der Bahnhof der Kleinbahn, Postkarte um 1920

                                                                                                                               

 

 

 

 

 

Ab 1913 führte eine Kleinbahn von Demmin über Stavenhagen nach Bredenfelde; sie fuhr mit einer Abzweigung von Metschow auch über Tützpatz, Wildberg und andere Dörfer nach Altentreptow. Das Bahnhofsgebäude ist heute ein Wohnhaus; die Gleise wurden zu Reparationszwecken nach dem Zweiten Weltkrieg entfernt.

Basepohl am See soll in Zukunft nur noch Naherholungsgebiet sein.

Im Juli 1914 wurde der Amtsbrink eingemeindet.  

Die beiden Kriege des 20. Jahrhunderts brachten auch der Stadt Stavenhagen unsägliches Leid, Not und Tod. Mit furchtbarer Wucht kehrte der Zweite Weltkrieg nach Deutschland zurück, und am 29. April 1945, als schon unzählige Kriegsflüchtlinge aus dem Osten in Stavenhagen angekommen waren, wurden bei einem letzten Luftangriff durch Brandbomben die Geschäftshäuser an der Westseite des Marktes schwer beschädigt oder ganz zerstört. Die Zahl der Menschen, die bei den Angriffen getötet wurden oder in deren Folge starben, kann nicht genau bestimmt werden.

Am 12. Juli 1949, dem Todestag Fritz Reuters, verlieh die Landesregierung der Stadt die Bezeichnung „Reuterstadt“ und eröffnete das Reutermuseum.

Unter sozialistischen Vorzeichen entwickelte sich die Stadt weiter. Nach 1960 wurden Neubausiedlungen am westlichen Stadtrand gebaut, Eigenheimsiedlungen entstanden, drei neue Schulen wurden gebaut.

Der Ortsteil Basepohl wurde zum Militärstandort entwickelt. Die Kaserne und die Soldaten mit ihren Familien wurden zu einem wichtigen Teil des städtischen Lebens.

Unübertrefflich: der Festzug bei 725. Jubiläum der Stadt im Jahr 1989

Im Jahr 1985 hatte Stavenhagen mit seinen Ortsteilen insgesamt 9.094 Einwohner.

Nach 1989 bot die Stadt Unternehmen und Investoren attraktive Bedingungen. Die dänische Lebensmittelkette NETTO siedelte sich an, die Firma Pfanni verlegte den Sitz nach Stavenhagen, weitere Betriebe kamen gern. Mehrere Gewerbe- und Industriegebiete wurden erschlossen, ein Sanierungskonzept wirkt der früheren Vernachlässigung vieler historischer Bauten im Zentrum entgegen und wird schrittweise verwirklicht. Die nicht mehr in vollem Umfang benötigten Bauten in der Weststadt werden zurückgebaut und modernisiert.

Mit der beginnenden Schließung der Kaserne in Basepohl legte die Stadt ein Konversionsprogramm auf, mit dem sie bereits wieder deutschlandweit beispielhaft dasteht.

Runde Jubiläen werden gern gefeiert in der Stadt. Die Feiern von 1964 und 1989 blieben als Höhepunkte des städtischen Lebens im Gedächtnis der Einwohner.

Stavenhagen vom Eulenberg aus gesehen, Fotografie Walter Mothes

 

Stavenhagen hat das Bestmögliche aus sich gemacht: eine Stadt, in der man gut leben kann. Ein 750jähriges Gemeinwesen, zu dem die Bürger sich bekennen. Selbstbewusst zeigt sich die Stadt der Welt und lädt ein,hier zu leben und anzustoßen auf viele weitere gute Jahre. 

 

(C.Nenz)


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